Das pädagogische Konzept

“Was ist die beste Entdeckung, die du je gemacht hast?”, fragte der Maulwurf. “Dass es genügt, ich zu sein”, sagte der Junge.

Charlie Macksey, “Der Junge, der Maulwurf, der Fuchs und das Pferd”

Wir möchten Kindern einen Ort bieten, an dem sie sich in ihrer Einzigartigkeit entfalten können. Bei uns sollen sie ihr Urvertrauen stärken und einen ergänzenden Grundstein für ihr Leben erhalten.

Ein Naturkindergarten bietet den Kindern die besten Möglichkeiten, sich und die Welt mit allen Sinnen zu entdecken und sich ARTGERECHT (angelehnt an die “artgerecht” Bewegung von Nicola Schmidt, deren Ansätze Teil des Umgangs mit den Kindern in unserer Einrichtung werden sollen (u.A. GFK (gewaltfreie Kommunikation), Kommunikation auf Augenhöhe, etc.) zu entwickeln.

Wir wollen ihnen die Zeit und den angemessenen Freiraum zum Ausprobieren, Erkunden, Kennenlernen und Forschen geben. Die Kinder sollen sich selbst als wirksam erleben, wenn sie die Natur und ihre Zusammenhänge beobachten, entdecken und ausprobieren.


Situationsorientiert werden auch Impulse gegeben, um gezielt Themen anzustoßen (siehe auch Projekte und Aktivitäten).

Natur erleben

In der alltäglichen Arbeit mit den Kindern soll Wert auf lebensnahe Erfahrungen natürlicher Zusammenhänge gelegt werden.

Auf Nachhaltigkeit wird besonderer Wert gelegt, sowohl ökologisch als auch ökonomisch.

Wir gehen sorgsam mit Pflanzen und Tieren um, kaufen regionale und jahreszeitlich verfügbare Produkte auf dem Markt oder Bauernhof und lernen die Kreisläufe der Natur kennen.

Die Kinder sollen lernen, eine Welt mitzugestalten, die allen Menschen, Tieren und Pflanzen Wohlergehen ermöglicht – für gegenwärtige und zukünftige Generationen.

Umweltbewusstes Handeln soll erprobt und Handlungsmöglichkeiten beurteilt werden. Biotope erkunden, Klimaschutz erlernen, sorgsam und sparsam mit Ressourcen umgehen, gehören ebenfalls dazu.

Auch der soziale Aspekt soll hier einbezogen werden: interkulturelles Verständnis, Frieden und Menschenwürde leben, Partizipation, Konflikte gewaltfrei lösen, kulturelle Feste feiern und von anderen Kulturen lernen.

Sinne

In der Natur haben die Kinder ständig Gelegenheit, sinnliche Erfahrungen zu sammeln. Dies geschieht beim Spielen und Unterwegssein ganz ursprünglich, weil mit jedem Schritt und jeder Bewegung etwas Neues zu spüren, zu sehen, zu hören, zu riechen oder zu ertasten ist. Diese Tiefenwahrnehmungen wirken sich auf die gesamte Persönlichkeitsentwicklung aus.

Bewegung und körperliche Bedürfnisse

Durch den überwiegenden Aufenthalt im Freien sind die Kinder auf spielerische Art und Weise viel in Bewegung. Sie toben, klettern, hüpfen, balancieren und streifen durch hohes Gras. Die Kinder lernen ihre körperlichen Fähigkeiten, Grob- und Feinmotorik kennen und erweitern sie. Sie nehmen ihre körperlichen Bedürfnisse wahr.

Sprache und Musik

Ein gutes Sprachvermögen dient der Identitätsbildung und stärkt die soziale Kompetenz. Während des freien Spieles gibt es vieles mit anderen Kindern zu besprechen. Hier wird verhandelt, erzählt, beschrieben usw.. In Rollen spielen ist dabei eine der wichtigsten Spielerfahrungen.

Mit Bilderbüchern, erzählten und vorgelesenen Geschichten und Reimen werden zusätzliche sprachliche Anreize gesetzt.

Ein weiterer Schwerpunkt soll auf die musikalische Früherziehung gelegt werden, wobei hier das Hauptaugenmerk auf Rhythmusgefühl und dem Singen von Liedern liegt. Unsere Betreuungskräfte führen die Kinder spielerisch an Instrumente heran und begleiten den Gesang instrumental.

Kreativität

Die Kreativität und das gestalterische Schaffen entwickeln Kinder in der Natur von allein und mit den dort zur Verfügung stehenden Materialien. Mit diesen Naturmaterialien möchten wir den Kindern die Gelegenheit geben, ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen und sie dazu animieren, mit Naturprodukten und selbsthergestellten Mitteln (Kleber, Farbe etc.) ihre Vorstellungen umzusetzen, indem sie damit basteln, spielen und bauen.

Dazu stehen auch kindgerechte Werkzeuge, wie Hammer und Säge bereit, deren Benutzung angeleitet und begleitet wird. Überall in der Natur finden sich Materialien wie Holz, Sand, Steine, Lehm, Tannenzapfen, Blätter oder Moos. Diese Spielmaterialien sind für alle zugänglich und saisonal frei verfügbar. So steht einem großen Angebot an vielfältigen Sinneserfahrungen und der selbstständigen Entfaltung der kindlichen Fantasien nichts im Wege.

Denken

Denken beinhaltet hauptsächlich das Erkennen von Zusammenhängen, Formen, Zeichen, Mengen und Größen sowie das Zahlenverständnis. Bei Kindern ist Lernen und Spielen untrennbar miteinander verbunden. Sie bringen den Forschergeist und die Erfindungsgabe mit, die es ihnen ermöglichen, immer komplexere Zusammenhänge zu ergründen.

Für dieses Forschen und Experimentieren bieten Wald und Natur alles, was die Kinder brauchen.

Wir wollen Anreize bieten und die Kinder darin unterstützen, ihre eigenen Wege zu einem Ziel zu suchen und umzusetzen.

Gefühl und Mitgefühl

Jeder Mensch ist ein soziales Wesen und braucht intensive, positive Beziehungen zu anderen Menschen.

Erfährt ein Kind in den Beziehungen zu anderen Personen Liebe, Geborgenheit, Annahme und Sicherheit, kann es sich emotional und sozial für seine Umwelt öffnen und zu einer gesunden Persönlichkeit entwickeln.

Durch das Ansprechen von Gefühlen, durch unseren Umgang miteinander und unsere wertschätzende Haltung den Kindern gegenüber soll die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder unterstützt werden.

Die Kinder lernen, sich untereinander abzusprechen, sich aufeinander einzustellen oder auch, sich zu streiten. Der Ansatz der gewaltfreien Kommunikation soll hierfür maßgebliche Grundlage sein.

Während des freien Spiels bieten sich viele Gelegenheiten, sich mit seinen Freunden auseinanderzusetzen, sich abzustimmen und sich in den anderen hineinzuversetzen.

Sinn, Werte und Religionen

Egal ob und welcher Konfession oder Religion sie angehören, sehen wir alle Kinder als Geschöpfe Gottes an und möchten ihnen Geborgenheit und Liebe weitergeben. Sie sollen sich als Teil der Schöpfung erleben und die Natur als etwas, das wir verantwortlich nutzen und erhalten wollen. Den Kindern soll dabei auch vermittelt werden, dass sie unabhängig von ihrer Herkunft, charakterlicher und körperlicher Individualität und ihres Geschlechts gleichberechtigt sind und in gleichem Maße wertgeschätzt werden.

Wir möchten den Jahreskreislauf der christlichen Feste (Advent, Weihnachten, Ostern, Pfingsten und Erntedank) erklären, mit den Kindern erleben und gestalten.

Wir möchten Möglichkeiten bieten, altersentsprechende Glaubenserfahrungen zu machen und auch andere Religionen kennenzulernen und ihnen tolerant zu begegnen.